Arbeitsweisen – Beispiele aus der Praxis

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1. Szene: Vor dem Internationalen Gerichtshofs für Umwelt und Klimaschutz



Der Richter betritt den großen Verhandlungssaal des Internationalen Gerichtshofs für Umwelt und Klimaschutz. Die beiden Parteien erheben sich. Heute wird in einem komplizierten Fall das Urteil erwartet: Die Kleinbauern und Kleinbäuerinnen der Region Valle Grande haben die Betreiber eines großen «Biosprit»-Projekts verklagt, das in ihrer Region angesiedelt ist – denn sie sind nicht der Meinung, dass dabei die angekündigten Ziele «Umweltschutz» und «Entwicklung» gefördert werden. Für sie ist eher das Gegenteil der Fall.



«Die Welt steht vor der Klimakatastrophe und wir tragen mit unserem Projekt zu deren Verhinderung bei. Außerdem bringen wir der Region wirtschaftliche Entwicklung. Die Bauern und Bäuerinnen haben kein Recht, sich diesen Zielen in den Weg zu stellen», verkündet ein Anwalt des «Biosprit»-Projekts in seinem Einstiegsplädoyer. «Einspruch, Euer Ehren!» ruft auf der anderen Seite eine Anwältin der Gegenseite. Zwischen den beiden Teams aus Anwälten und Anwältinnen entbrennt eine hitzige Debatte über Klimawandel, seine sozialen Folgen und die globale Verantwortung zu dessen Verhinderung. 


Ist «Biosprit» ein Beitrag zum Umweltschutz? Oder stimmt der Vorwurf, dass die Konsument_innen in den reichen Ländern sich damit nur ein reines Gewissen kaufen, während große Konzerne davon profitieren? Welche Folgen hat der Anbau von Ölpalmen zur Gewinnung von Agrartreibstoffen für die Region und die Menschen dort? Wer trägt die Verantwortung für den Klimawandel? Diese und andere Fragen werden im Laufe der Verhandlung kontrovers diskutiert. Gewissenhaft haben sich beide Seiten auf die Abschlussverhandlung vorbereitet, die Aussagen der Zeug_innen studiert, Argumente und Strategien entwickelt. Denn jede Seite will, dass ihr Recht zugesprochen wird. Aber zu welchem Schluss wird das Gericht kommen?



Diese Szene spielte sich allerdings nicht im Internationalen Gerichtshofs für Umwelt und Klimaschutz ab, sondern in einem Klassenraum in Iserlohn, wo wir mit den Umweltbeauftragten des dortigen Berufskollegs eine Übung aus unserem Themenbereich zu Klimawandel und Umweltkonflikten spielten. Dennoch waren die Anwält_innen – von den Schüler_innen gespielt – äußerst engagiert bei der Sache. Sie hatten sichtlich Spaß an der Verhandlung und setzten sich motiviert mit dem Thema auseinander. Nach der Verhandlung diskutierten sie über die aufgeworfenen Probleme und mögliche Alternativen.


2. Szene: Krisen-Gespräche im Präsidentenpalast

Ein großer Tisch – am Kopf der Tafel sitzt der Präsident des kleinen mittelamerikanischen Landes. Rechts und links von ihm haben die Vertreter und Vertreterinnen der Wirtschaft und anderer wichtiger gesellschaftlicher Gruppen Platz genommen. Es herrscht eine angespannte Stimmung und eine hitzige Debatte hat sich entwickelt: Die Vertreterin der Kleinbäuerlichen Notgemeinschaft haut mehrmals mit ihrer Hand auf den Tisch, um sich Gehör zu verschaffen: «Herr Präsident, Sie haben uns versprochen, das Kleinkreditprogramm umzusetzen. Wir brauchen dringend Hühner und Saatgut für die hungernden Familien. Die Großgrundbesitzer drängen uns, das Land zu verkaufen – aber ohne Arbeit stehen wir doch vor dem Nichts! Was ist jetzt mit dem Kredit?» Der Präsident hatte geahnt, dass die Reaktion der Kleinbäuerlichen Notgemeinschaft so ausfallen würde und verdreht die Augen. Seine Regierung hatte es versprochen, noch schlimmer – sie war mit dem Wahlversprechen gewählt worden, die Situation der Kleinbauern und -bäuerinnen zu verbessern. Doch plötzlich steckt das Land tief in der Krise und sowohl die nationale Agrarindustrie als auch die transnationalen Textilunternehmen haben Absatzprobleme und drohen mit Massenentlassungen, wenn sie keinen Steuererlass oder Subventionen bekommen. 


Schon drängt sich der Sprecher des Unternehmerverbandes zu Wort: «Das Kleinkreditprogramm könnt ihr doch nächstes Jahr noch umsetzen. Jetzt ist viel wichtiger, dass wir das Geld bekommen. Ich möchte betonen: Entweder wir bekommen Subventionen, oder wir schließen alle Fabriken und sind weg! Und dann guckt ihr blöd, weil wir die Näherinnen entlassen und alle Arbeiterinnen arbeitslos sind. So einfach ist das!». Der Redner rückt sich das Basecap zurecht und lehnt sich mit verschränkten Armen zurück.



«Auf gar keinen Fall!» ruft ihm die Vertreterin des Großgrundbesitzer_innenverbandes zur Rechten des Präsidenten entgegen und fuchtelt dabei mit den Händen in der Luft herum: «Wir zahlen doch keine Steuern dafür, dass die Regierung damit transnationale Konzerne sponsert. Das machen wir nicht mit! Wir müssen die Produktion umstellen und zwar jetzt – und auch wir wissen nicht, ob wir die Erntehelferinnen und -helfer weiter beschäftigen.»

Der gemütlich wirkende, etwas behäbige Präsident, ein großer Mann mit Kurzhaarschnitt und Sommerhemd, hört sich die verschiedenen Diskussionsbeiträge an und blickt sorgenvoll und ratlos in die Runde. Er hat einen riesigen Berg Probleme. Alle wollen Geld, doch die Staatskassen sind leer und an weitere Kredite ist nicht zu denken. Was kann also getan werden? 


Die Sprecherin der Gewerkschaft, die die Interessen der besitzlosen Tagelöhner_innen und Erntehelfer_innen verteidigt, droht jetzt auch noch mit Streik, sollten Arbeitsplätze verloren gehen... Der Präsident kommt zu dem Schluss, dass es noch zu früh für eine Entscheidung ist. «Wir sollten uns in den Gremien noch einmal beraten und sehen uns dann morgen wieder. Die Verhandlung ist hiermit geschlossen.» Die Gegenüber erheben sich und gehen zurück in ihre Gruppen, wo sie nun ihre Strategie für die nächste Verhandlungsrunde festlegen werden.



Diese Szene spielte sich natürlich nicht im Präsidentenpalast in Managua oder Guatemala-Stadt ab, sondern im Klassenraum einer Handelsschulklasse in Wuppertal. Es fand nicht wie sonst Unterricht statt. Stattdessen spielten die 16 Schüler_innen und ihre Lehrerin das Krisenplanspiel aus dem Themenbereich Wirtschaft – eine Simulation zu den Auswirkungen der Wirtschaftskrise in Mittelamerika.

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